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Chronik der Rot Kreuz Gemeinschaft Burgfarrnbach Gründung Auf Anregung des Stabsarztes a. D. Dr. Götz und des Flaschnermeisters Hans Thoma von Burgfarrnbach fand im Oktober 1903 im "Gasthof zur Post" eine Versammlung statt, bei der über die Gründung einer Sanitätskolonne in Burgfarrnbach diskutiert wurde. Anwesend waren auch die Vertreter des Veteranenvereins (Johann Beutemann, Christoph Mayer), des Militärvereins (Jean Käferstein, Georg Popp, Georg Brunner), des Turnvereins (Georg Mayer, Georg Danzer) und der Freiwilligen Feuerwehr (Georg Berthold sen., Johann Graf). Nachdem Dr. Götz über die Aufgaben einer Sanitätskolonne gesprochen hatte, wurde allgemein die Gründung einer solchen in Burgfarrnbach empfohlen. Es gelang in kürzester Zeit so viele Interessenten zu werben, daß bereits am 3. November 1903 die Gründungsversammlung im "Gasthaus zum Bären" stattfinden konnte. Nach einer grundlegenden Rede von Dr. Götz über Zweck und Ziele einer Sanitätskolonne, über die Ausbildung der Sanitäter und deren Aufgaben, konstituierte sich die Kolonne in der Rechtsform eines eingetragenen Vereins. Von den Anwesenden traten sofort 16 als aktive Mitglieder und 10 als passive Mitglieder bei. Die Mitgliederversammlung wählte folgende Vorstandschaft: Dr. Friedrich Götz Kolonnenführer Flaschnermeister Hans Thoma stellvertretender Kolonnenführer und Zugführer Dr. Albrecht Bauer Kolonnenarzt und Kassier appr. Bader Georg Potzler Materialverwalter Flaschnermeister Karl Höfler Zugführer Stellvertreter Graf Wilhelm von Pückler-Limpurg Beirat Bahnhofsvorstand Münch Beirat Bäckermeister Johann Beutemann Beirat Pfarrverweser Wolf Beirat Braumeister Jakob Küchle Beirat Stimmenfabrikant Georg Berthold Beirat Spezereihändler Georg Popp Beirat Oberlehrer Max Drescher Beirat Kolonnenlokal wurde das "Gasthaus zum Bären", dessen Pächter Heinrich Pfarrer unentgeltlich einen Raum für Unterrichtszwecke zur Verfügung stellte. Der Unterricht fand schon damals jeweils Montag abends um 20 Uhr im Kolonnenlokal statt. Der Mindestbeitrag wurde monatlich auf 30 Pfennige festgesetzt, bzw. auf eine einmalige Zuwendung von 50 Mark. Durch ansehnliche Spenden des Gräflichen Hauses, der Firma Conradty & Co. (Nürnberg-Röthenbach) und des Kommerzienrates Kastner (Burgfarrnbach) konnte die Kolonne die erforderliche Ausrüstung erwerben. Kolonnenarzt Dr. Bauer stellte zur Beschaffung von Uniformröcken und 50 Rot-Kreuz-Armbinden ein unverzinsliches Darlehen von 300 Mark zur Verfügung. Aufbau der Kolonne bis zum ersten Weltkrieg Nach der Gründung begann nun durch einen intensiven Unterricht die Ausbildung der aktiven Mitglieder. Regelmäßige Vorträge des Kolonnenarztes über Erste Hilfe, Verbandlehre, Gesundheitsdienst usw. sowie regelmäßige praktische Übungen trugen dazu bei, daß die Kolonne über gut ausgebildete Sanitäter verfügte. Bereits nach einem Jahr konnte die junge Kolonne in einer großen Übung ihre Einsatzfähigkeit unter Beweis stellen. Ein besonderes Problem erwuchs der Kolonne durch die Krankentransporte. Zwischen Fürth und Neustadt/Aisch bestand nur die Burgfarrnbacher Kolonne. Diese hatte nicht nur die Kranken aus der unmittelbaren Umgebung wie Seukendorf, Veitsbronn und Siegelsdorf, sondern auch Patienten aus Langenzenn, Tuchenbach, Puschendorf und Obermichelbach in das Krankenhaus nach Fürth bzw. Erlangen zu bringen. Zur Ausführung der Transporte wurde ab April 1904 eine Räderfahrbahre benützt. Bei den damaligen Wegeverhältnissen stellten solche Transporte große Anforderungen an die Sanitäter. Ein Transport von Puschendorf nach Erlangen und zurück dauerte etwa 6 bis 8 Stunden. Durch Vermittlung des Pfarrverwesers Wolf schenkte die hiesige Brauereiverwaltung der Kolonne eine frühere Postkutsche, die von den Mitgliedern in ihrer Freizeit zu einem zweispännigen Krankentransportwagen umgebaut wurde. Die Taxen für solche Fahrten betrugen nach Fürth 5 Mark, nach Nürnberg 7 Mark und nach Erlangen 10 Mark. Zeitweise hatten die Kolonnenmitglieder mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen, z. B. wenn das erforderliche Gespann nicht einsatzbereit war und man sich dann mit viel Mühe und Zeitaufwand Ersatzpferde besorgen mußte. Auch für die Kranken und Verletzten war diese Art des Transportes auf den damals holprigen Straßen sicher nicht ideal, aber es gab keine bessere Lösung. Im Mai 1906 legte Dr. Götz die Führung der Kolonne nieder. Sein Nachfolger wurde der Lokalwirt Heinrich Pfarrer, dessen Vertreter Georg Brunner. Mit Heinrich Pfarrer trat ein ausgezeichneter Organisator an die Spitze der Kolonne, dem es gelang, die Kolonne weiter auszubauen und für eine kontinuierliche Entwicklung zu sorgen. In Anbetracht der Bedeutung, die die Kolonne für die Versorgung der Bevölkerung hatte, stellte der Gemeinderat Burgfarrnbach unentgeltlich im Jahre 1907 einen Raum im ehemaligen Feuerhaus (heute Regelsbacher Straße 3) als Wachlokal zur Verfügung. Die Inneneinrichtung stiftete die Gräfliche Familie von Pückler-Limpurg. Nach dem Ausscheiden von Dr. Bauer und Dr. Götz ergänzte die Kolonne ihren Vorstand 1908 mit folgenden Mitgliedern: Dr. Karl Werner Kolonnenarzt Oberlehrer Karl Brunner Kassier Pfarrer Gustav Neuner Beirat Schreinermeister Jean Käferstein Beirat Auf Veranlassung des Mittelfränkischen Kreisausschusses fand im Mai 1909 eine größere gemeinsame Übung bei Fischbach unter Beteiligung der Kolonnen Nürnberg, Fürth, Zirndorf, Burgfarrnbach, Lauf und Altdorf statt. Das 14. bayerische Infanterieregiment stellte 4 Kompanien zur Markierung von Verwundeten ab. Bei dieser Übung konnte die Kolonne Burgfarrnbach ihren guten Ausbildungsstand im Vergleich mit den größeren Kolonnen Nürnberg und Fürth unter Beweis stellen. Wenige Wochen später erfolgte zusammen mit den neugegründeten Kolonnen Langenzenn, Wilhermsdorf und Cadolzburg im Raum Langenzenn eine größere Übung. 1909 wurde von einigen gesellschaftlich aktiven Mitgliedern der legendäre Stammtisch der , „Plattfüßler" gegründet. Nach den Übungsabenden kam man sich bei einem Glas Bier und bei einem zünftigen Schafkopfspiel auch menschlich näher und pflegte dabei die Kameradschaft. Mehrmals im Jahr wurden Ausflüge mit den Familienangehörigen in die nähere Umgebung oder zu befreundeten Sanitätskolonnen durchgeführt. Höhepunkte des Stammtischlebens waren die jährliche Fisch- und Ganspartie und die Weihnachtsfeiern. 1910 kaufte die Kolonne bei der Firma C. Henkel in Bielefeld ein Feldlazarett für 1300 Mark. Gleichzeitig gelang es, nach Zustimmung der Kirchenverwaltung und des Oberkonsistoriums die Pfarrscheune für 25 Jahre zur Unterbringung von Kolonnengegenständen zu pachten. Nach Durchführung verschiedener Änderungsarbeiten konnte der Raum am 1. Oktober 1910 übernommen werden. Die Grafen Gottfried und Richard von Pückler-Limpurg hatten durch eine namhafte Spende den Innenausbau ermöglicht. Der erste Weltkrieg Die friedliche Aufbauarbeit wurde durch den Ausbruch des Krieges 1914 unterbrochen. Bei Kriegsbeginn wurde eine größere Zahl der Mitglieder zum Heeresdienst einberufen. Die Ausbildung weiterer Sanitäter mußte beschleunigt vorgenommen werden, da an der Front und in den Lazaretten immer mehr ausgebildete Sanitäter gebraucht wurden. Im Verlaufe des Krieges war die Anschaffung eines neuen Krankentransportwagens erforderlich. Dieser wurde 1915 von der Firma Maurer in Ansbach für 2400 Mark gekauft. Neben den normalen Krankentransporten war die Kolonne Burgfarrnbach während des 1. Weltkrieges auch bei der Ausladung der Verwundeten eingesetzt, die mit den Lazarettzügen nach Nürnberg gebracht wurden. Aus den Reihen der aktiven Mitglieder forderte der Krieg 10 Tote und 3 Vermißte, 6 befanden sich in Kriegsgefangenschaft. Die Zeit zwischen den Kriegen Der verlorene Krieg brachte es mit sich, daß zunächst das Interesse an der Kolonnenarbeit zurückging. Der Energie und der Opferbereitschaft der verbliebenen Mitglieder und dem Wirken des neu eingetretenen Arztes Dr. Albert Fürst ist es zu verdanken, daß diese Krise in verhältnismäßig kurzer Zeit überwunden werden konnte. Im März 1922 legte Heinrich Pfarrer aus gesundheitlichen Gründen die Kolonnenführung nieder. Ihm folgte als Kolonnenführer bis 1924 Dr. Werner. Daran anschließend übernahm das Amt Johann Hufnagel, sein Vertreter war Johann Rotter. Heinrich Pfarrer wurde unter Anerkennung seiner großen Verdienste um die Kolonne vom Mittelfränkischen Kreisausschuß als Ehrenkolonnenführer bestätigt. Am 30. März 1926 verstarb nach längerem Leiden im Alter von 56 Jahren der langjährige Kolonnenarzt Dr. Karl Werner. Der Verstorbene hatte sich während seiner 18jährigen Dienstzeit als Kolonnenarzt und durch sein hilfsbereites Wesen um das Wohl der Kolonne äußerst verdient gemacht. Nach dem schweren Verlust durch das Ausscheiden dieses ausgezeichneten Mannes übernahm Dr. Albert Fürst, der bereits seit 1919 als Beirat tätig war, die ärztliche Leitung der Kolonne. Sein Stellvertreter wurde der neu nach Burgfarrnbach gezogene Arzt Dr. Eugen Baum, der gleichzeitig zum Beirat der Kolonne ernannt wurde. Nach erfolgreicher Aufbauarbeit konnte die Kolonne 1928 ihr 25jähriges Bestehen feiern. Das Jubiläum wurde zusammen mit dem 25. Mittelfränkischen Führer- und Ärztetag begangen. Die Feierlichkeiten fanden am Samstag, dem 12. und am Sonntag, dem 13. Mal 1928 in Burgfarrnbach statt. 37 Kolonnen mit 880 Sanitätern aus ganz Mittelfranken waren in den mit Kränzen, Girlanden und Rot-Kreuz-Fähnchen geschmückten Ort gekommen. Vier Wochen nach dem 25jährigen Jubiläum erlebte die Kolonne ihren bisher größten Katastrophenfall. Am Sonntag, dem 10. Juni 1928, morgens um 2 Uhr 55 Minuten (etwa 15 Minuten nach dem Unglück) erreichte sie der telefonische Anruf des Bahnhofes Burgfarrnbach, daß bei Siegelsdorf ein schweres Eisenbahnunglück passiert sei. Über den Einsatz der Kolonne gibt das Protokoll aus diesem Jahr folgende Auskunft: "Schon 3 Uhr 20 trafen die beiden Kolonnenärzte Dr. Fürst und Dr. Baum mit 6 Sanitätern, 10 Minuten später auch der Kolonnenführer Hufnagel mit 15 Mann auf einem Lastauto mit dem notwendigen Material an der Unglücksstelle ein. Weitere Sanitäter kommen mit dem Hilfszug bzw. Fahrrädern an, so daß im ganzen 44 Mann tätig waren. In 27 Fällen, bei 20 Schwer- und 7 Leichtverletzten hat die Kolonne wertvolle Hilfe geleistet. Auch bei der Bergung der 24 Toten hat die Kolonne im Verein mit den wackeren Feuerwehrleuten aus Nürnberg Großes geleistet. Als das Rettungswerk schon so weit bewältigt war, konnte mit dem Abtransport der Verletzten begonnen werden. Kolonnenführer Stellvertreter Rotter verbrachte mit seinem Halbzug mittels Hilfszug 14 Schwerverletzte in das Fürther Krankenhaus, wo dieselben schon um 1/2 5 Uhr früh abgeliefert waren und fuhr dann mit seinen Leuten wieder zurück zur Unfallstelle. Um 9 Uhr konnte die Kolonne, da alles geborgen und abtransportiert war, wieder einrücken".
Eisenbahnunglück bei Siegelsdorf am 10. Juni 1928 Die Lehren aus dem Siegelsdorfer Eisenbahnunglück sowie die steigende Zahl von Unfallverletzten als Folge der zunehmenden Motorisierung bewogen die Kolonne nach ausführlicher Diskussion am 26. 11. 1928 zur Anschaffung eines Sanitätsautos (Typ Mercedes Benz) zum Preis von 4552 Mark. Finanziert wurde die Anschaffung durch Zuschüsse, Spenden und durch die Ausgabe von "Gutscheinen". Als Garage stellte die Brauerei Burkhard (Neustadt/Aisch) einen Raum im Hof des Kolonnenlokals (Würzburger Straße 479) zur Verfügung. Nun konnten auch Transporte aus der weiteren Umgebung ausgeführt werden. Ihre Zahl stieg von 37 Transporten und 58 Hilfeleistungen im Jahre 1929 auf 88 Transporte und 206 Hilfeleistungen im Jahr 1932.
Erstes Sanitätsauto der Kolonne Burgfarrnbach 1928 für 4552 Mark angeschafft Jakob Hufnagel, Johann Hufnagel, Georg Brunner (von links nach rechts) Auf Anregung von Dr. Fürst wurde 1935 eine weibliche Bereitschaft, bestehend aus 25 - 30 Helferinnen, gegründet und der Kolonne angegliedert. Die Führung hatte Frau Maria Kleinlein. 1935 sollten im Rahmen einer Neugliederung der Kolonnen des Kreises die Kolonnen Burgfarrnbach und Zirndorf zusammengelegt werden. Auf einer gemeinsamen Sitzung der beiden Kolonnen am 9. April 1935 wurde dagegen energisch Einspruch erhoben. Man hatte damit auch den beabsichtigten Erfolg, der Kreiskolonnenführer Heerdegen bestätigte schließlich die Selbständigkeit. 1938 zählte die Kolonne (einschließlich der seit 1937 angeschlossenen Vacher Gruppe) 91 aktive und 106 passive Mitglieder. Der zweite Weltkrieg Die Kriegsjahre von 1939 - 1945 brachten für die Kolonne eine starke Belastung mit sich. Eine Einberufung löste die andere ab, so daß in den letzten Kriegsjahren nur noch 11 Männer zum Dienst antreten konnten. Die verbleibenden Sanitäter wurden bei Fliegerangriffen zur Bergung und Versorgung der Verletzten eingesetzt. Schwere Sorgen bereitete in dieser Zeit der Kolonne die Krankentransporte da das 1928 unter großen Opfern angeschaffte und seither liebevoll gepflegte und immer wieder verbesserte Sanitätsauto von der Fürther Kolonne 1943 weggeholt worden war. Während des Krieges sind 5 Mitglieder der Kolonne gefallen, bzw. vermißt. Beim Einmarsch der amerikanischen Truppen in Burgfarrnbach am 17. 4. 1945 gerieten zwei Sanitäter (Bäckermeister Michael Weber und Schneidermeister Hermann Dorner) während der Ausübung ihres Sanitätsdienstes in Gefangenschaft. Die Zeit nach 1945 Mehrere altbewährte Kameraden nahm der Tod aus den Reihen der Kolonne, so auch unsere Ehrenkolonnenführer Heinrich Pfarrer und Georg Brunner. Am 7. März 1946 ist Johann Hufnagel, Kolonnenführer seit 1924, verstorben. Er hatte sich während dieser schweren Zeit immer wieder mit großer Begeisterung und Aufopferung für die Kolonne eingesetzt. Durch den katastrophalen Ausgang des Krieges war bei vielen Kameraden das Interesse an der Arbeit im Roten Kreuz auf ein Minimum gesunken, die damals bestehende Not und die aussichtslose Zukunft trugen wesentlich dazu bei. Der totale Zusammenbruch und die führerlos dastehende Kolonne erschwerten den Neuaufbau. Dr. Albert Fürst und Leonhard Siebenkäs nahmen voller Idealismus den Wiederaufbau der Kolonne im Jahre 1946 in die Hand. Ein neuer Abschnitt begann mit der Generalversammlung am 25. Januar 1947 im "Gasthaus zum Goldenen Hirschen". Unter Vorsitz des Kreiskolonnenführers Hans Sandmann hatten sich 27 Personen, frühere Mitglieder des Roten Kreuzes und der Arbeiter Sanitäterkolonne eingefunden. Herr Dr. Schlögel von der Landesstelle hielt einen Vortrag über die derzeitige Lage des Bayerischen Roten Kreuzes. Von der Versammlung wurde die folgende Vorstandschaft gewählt: Georg Ruffus Kolonnenführer Georg Billmann stellvertretender Kolonnenführer Otto Herbst Schriftwart Leo Siebenkäs Kassier Christian Lößlein Zeugwart Dr. Albert Fürst Kolonnenarzt Ergänzt wurde der Vorstand am 22. Februar 1947 durch folgende Beiräte: Kirchenrat Gottlieb Volkert, Stadtrat Sigmund Schmaus, Stadtrat Heinrich Berthold, Apotheker Wilhelm Kniewel, Stadtinspektor Jakob Sandhöfer, Wachleiter Weinmann, Schreinermeister Jean Käferstein, Gast- und Landwirt Georg Geißendörfer, Angestellter Hans Kett, Bäckermeister Matthäus Heller. Die vordringlichste Aufgabe der Kolonnenführung bestand darin, die Verbindung zu den einstigen Kameraden wiederherzustellen und den Nachwuchs auszubilden. Außerdem mußten wieder Verbandsmaterial Uniformen und Tragen angeschafft werden. Im Jahre 1948 wurde in Bayern das Jugendrotkreuz ins Leben gerufen. Von dieser Idee war Herr Dr. Albert Fürst so angetan, in seinem Wirkungskreis auch JRK-Gruppen zu gründen. Nach ersten Versuchen in Unterfarrnbach 1948 begannen in der Schule Burgfarrnbach Erste Hilfe Kurse für Schüler der oberen Klassen. In Jahre 1950 war es dann soweit, in Burgfarrnbach eine eigene JRK Gruppe ins Leben zu rufen; die Gründungsversammlung fand im Gasthof „Zum Bären“ statt. Bei dieser wurde Alfons Scheuerer zum Gruppenleiter ernannt.
Erste Jugendrotkreuzgruppe Bayerns, mit ihrem Gründer Dr. Albert Fürst und dem Gruppenleiter Helmut Jordan 1949 konnte Georg Ruffus, der wegen seines vorgerückten Alters auf eine Wiederwahl verzichtete, dem neugewählten Kolonnenführer Fritz Hufnagel eine wieder erstarkte Organisation zu treuen Händen übergeben. Unter seiner Führung und der unermüdlichen Unterrichtstätigkeit des Kolonnenarztes Dr. Albert Fürst verzeichnete die Sanitätskolonne Burgfarrnbach eine ständige Aufwärtsentwicklung. 1953 konnte die Kolonne, die damals aus 40 aktiven und 38 passiven Mitgliedern bestand, unter großer Anteilnahme der Burgfarrnbacher Bevölkerung und mit 500 Festgästen aus ganz Mittelfranken ihr 50jähriges Jubiläum feiern. Das Fest begann am Samstag, dem 9. Mal mit einem Festkommers im "Gasthaus zum Bären" unter Mitwirkung der Kapelle Brandt und des Chores des Tuspo Burgfarrnbach. Unter den Ehrengästen konnte Kolonnenführer Fritz Hufnagel Oberbürgermeister Dr. Bornkessel und prominente Vertreter des Roten Kreuzes aus Nürnberg und München begrüßen. Oberbürgermeister Dr. Bornkessel überbrachte die Glückwünsche der Stadt und würdigte die Arbeit der Kolonne. Eine besondere Ehrung wurde dem Gründungsmitglied und langjährigen stellvertretenden Kolonnenführer Hans Rotter zuteil. Im Namen des Präsidenten des Bayerischen Roten Kreuzes grüßte Dr. Schlögel und hob besonders die Aktivität des Burgfarrnbacher Jugendrotkreuzes hervor. Am Sonntag, dem 10. Mai begann das Fest mit dem Weckruf und einer Gefallenenehrung. Nach dem gemeinsamen Kirchgang führte die Kolonne eine Einsatzübung auf dem Gaucklersacker durch, bei der ein Flugzeugabsturz angenommen wurde. Den "Verwundeten" wurde von der Kolonne unter Mithilfe des Jugendrotkreuzes fachgerecht "Erste Hilfe" geleistet. In der anschließenden Kritik äußerte sich der Referent der Sanitätskolonnen Leopold Hollmann, München, lobend über den Ablauf der Übung. Nach der Übung folgte ein Fest- und Werbemarsch der Kolonnen durch Burgfarrnbach. Nachmittags trafen sich die Festteilnehmer im Postsaal, wo von Dr. Bernhard Kläß, Dr. Albert Fürst und Leopold Hollmann Vorträge über aktuelle Probleme der freiwilligen Sanitätskolonnen gehalten wurden. Den Abschluß des Jubiläums bildete ein Tanzabend unter großer Beteiligung der Burgfarrnbacher Bevölkerung, die dadurch die Verbundenheit mit "ihrer" Kolonne zum Ausdruck brachte. Die folgenden Jahre waren gekennzeichnet von einer Phase der Konsolidierung und des weiteren Aufbaus. Die Kolonne bestand aus 50 aktiven Mitgliedern und 48 passiven Mitgliedern, bei der weiblichen Bereitschaft waren 18 Frauen aktiv tätig. Einen enormen Aufschwung erlebte das Jugendrotkreuz mit Gruppen in Burgfarrnbach und Unterfarrnbach. Einen schweren Verlust erlitt die Kolonne und das Jugendrotkreuz im Jahre 1963 durch den plötzlichen Tod ihres Kolonnenarztes Dr. Albert Fürst. Seit 1919, seit seiner Niederlassung als prakt. Arzt in Burgfarrnbach, war er Mitglied der Kolonne, seit 1926 als Kolonnenarzt tätig. Auf Grund seiner unermüdlichen Unterrichtstätigkeit und seines Organisationstalentes war es ihm gelungen, in Burgfarrnbach eine gut ausgebildete, stets einsatzbereite und aktive Kolonne zu formen. Ihm sind die Gründung der weiblichen Bereitschaft und des Jugendrotkreuzes zu verdanken. Mit Dr. Eugen Baum, der bereits seit 1926 der Kolonne als Beirat und stellvertretender Kolonnenarzt zur Verfügung stand, war als Nachfolger von Dr. Fürst die Gewähr gegeben, daß der ärztliche Unterricht und die Ausbildung in Theorie und Praxis weiter auf dem bisherigen Niveau fortgeführt werden konnte. Bereits ein Jahr später, 1964, traf die Kolonne erneut ein schwerer Verlust. Sie mußte Abschied nehmen von ihrem Kolonnenführer Fritz Hufnagel. Fritz Hufnagel war seit 15 Jahren, Kolonnenführer und hatte in den schweren Nachkriegsjahren die Kolonne mit aufgebaut und sich viele Verdienste erworben. Besonderer Höhepunkt seiner Arbeit war das unter seiner Führung veranstaltete 50jährige Jubiläum der Kolonne. In einer außerordentlichen Mitgliederversammlung, zu der wegen des plötzlichen Todes von Fritz Hufnagel am 13. 7. 64 ins Gasthaus "Deutsches Haus" eingeladen wurde, wurde als Nachfolger der damals 27 jährige Siegfried Blomeier gewählt. Sein Stellvertreter wurde Fritz Schwab, Schriftführer Leonhard Scheller. Unter der nun gewählten Führung konnte das bisher geleistete fortgeführt und kontinuierlich weiter ausgebaut werden. Durch die Aktivität des Jugendrotkreuzes war es der Kolonne möglich, qualifizierte und bereits gut ausgebildete junge Mitglieder zu gewinnen. So wurde die Kolonne neben den üblichen Diensten wie Krankentransport, Sportplatzwachen, Beteiligung an Großveranstaltungen (z. B. Flugtag in Seckendorf) in den Jahren 1967 bis 1971 während der Urlaubszeit an den Wochenenden für den Autobahndienst zwischen Höchstadt/Ost und Nürnberger Kreuz eingesetzt. Ihre Einsatz- und Leistungsfähigkeit stellte die Kolonne bei mehreren Übungen unter Beweis, so z. B. 1966 bei einer Großübung im Neuen Schulhaus zusammen mit der Freiwilligen Feuerwehr Burgfarrnbach, 1968 bei einer Übung in Puschendorf mit der Bundeswehr, 1969 bei einer Übung im Schloßwäldchen (heute Altersheim der Arbeiterwohlfahrt), 1972 zusammen mit dem Kreisverband bei Unterulsenbach, wo ein Flugzeugabsturz angenommen wurde, und 1976 ebenfalls zusammen mit dem Kreisverband und den Feuerwehren bei einem angenommenen Brand im Altersheim der Arbeiterwohlfahrt. Unter der Jugendrotkreuzführung von Herbert Andreä aus Unterfarrnbach und Xaver Scheuerer aus Burgfarrnbach lebt die JRK-Gruppe Burgfarrnbach auf und erreichte sowohl bei Kreis-, als auch bei Bezirkswettbewerbe erste Plätze. Diese JRK-Mannschaft belegte zu dieser Zeit die besten Plätze, die je aus dem Kreisverband Fürth bei einer Bezirksausscheidung erreicht wurden. Faltschachtel- und Schulkistenaktionen für Griechenland gehörten ebenso in dieser Zeit zum Programm dieser JRK-Gruppe, wie der Albenaustausch und Kummerkastenaktionen für alte Burgfarrnbacher Bürger. In diesen Kummerkästen (Briefkästen) konnte die ältere Generation in Burgfarrnbach ihre Wünsche und Aufträge bekannt geben, die von der JRK-Gruppe prompt und freundig erledigt wurden (holzhacken, einkaufen usw.). Die Jugendlichen zeigten sich auch sportlich sehr rege und konnten bei den Fußballspielen gute Plätze erringen. Im Jahre 1967 übernahm Adalbert Scheuerer die Leitung des Burgfarrnbacher Jugendrotkreuzes und führte mit großen Elan die begonnene Arbeit fort. Anschließend wurden Reinhold Taubmann sowie später Manfred Fischer als JRK Gruppenleiter ernannt. Auch hier wurden wieder ein zweiter Platz im Kreiswettbewerb erbracht, ebenso wurde die Zusammenarbeit mit den Schulen intensiviert und Ballonwettfliegen durchgeführt. Erste Hilfe Kurse in Schulen waren ebenso selbstverständlich wie Teilnahme an Ausflügen des Kreisverbandes nach Südtirol, Hartenstein usw. und Gruppenleiterlehrgänge. Unter der Leitung von Dr. Baum wurden von der Kolonne in den Jahren 1966-1976 mehrere Erste Hilfe Kurse in Burgfarrnbach und den umliegenden Orten Seukendorf, Atzenhof, Cadolzburg und Egersdorf unter großer Anteilnahme der Bevölkerung durchgeführt. Zum Teil waren dabei über 100 Personen anwesend. Von großem Erfolg war auch ein Erste Hilfe Lehrgang, den die Kolonne für die Beschäftigten der Humbser Brauerei veranstaltete. Als Dank für die Durchführung dieses Kurses erhielt die Kolonne eine lebensgroße Puppe (Phantom), an der die Maßnahmen der Herz-Lungenwiederbelebung, wie Herz-Druck-Massage, Mund zu Mund, bzw. Mund zu Nase Beatmung geübt werden können. An diesem "Kolonnenmitglied", Eugen genannt, haben sich seither zahlreiche Kameraden mit den Methoden der modernen Herz-Lungenwiederbelebung vertraut gemacht. Bis 1973 war die Mitgliederzahl des Jugendrotkreuzes Burgfarrnbach so stark angewachsen, dass eine zweite Gruppe gegründet wurde. Brigitte Volkamer für die Gruppe 1 und Marion Lorenz für die Gruppe 2 fungierten zu dieser Zeit als Gruppenleiterinnen. Nach Jahrzehnten der Behelfsstationen (Nebenzimmer Gasthaus „Zum Bären“, Dachkammer im alten Schulhaus Lehenstr., Schulraum in der Amtsstelle Burgfarrnbach) fassten die Jugendlichen den Entschluß, beim Kirchweihzug 1973 ganz massiv auf ihre Raumnot hinzuweisen. Anfang 1974, kurz nach dem 70jährigen Bestehen, konnte die Kolonne und das Jugendrotkreuz im ehemaligen Marstallgebäude am Schloßhof die von der Stadt Fürth zur Verfügung gestellten Räume als neues BRK-Lokal einweihen. Damit war ein großes Problem der Kolonne und dem Jugendrotkreuz, die sich jahrelang mit Behelfsmöglichkeiten in Gaststätten und Schulräumen herumschlagen mußte, endlich gelöst. In Gemeinschaftsarbeit wurden die in einem trostlosen Zustand übernommenen Räume restauriert. Der BRK-Kreisverband stiftete 3 Ölöfen und die Bestuhlung, von der Stadt Fürth erhielt die Kolonne einen Zuschuß von DM 7000,-- Inzwischen konnte der Unterrichtsraum durch eine großzügige Spende der Fa. Autohaus Model und Fleischer und durch den bewundernswerten Einsatz unseres Jugendrotkreuzes unter der Leitung von Roland Volkamer ausgebaut und wohnlich eingerichtet werden. In den übrigen Räumen dieses Gebäudes ist das Material des Katastrophenschutzes gelagert. Zur Freizeitgestaltung des Jugendrotkreuzes Burgfarrnbach wurden Zeltlager in der Fränkischen Schweiz sowie Maiwanderungen und Ausflüge ins Breitenberghaus durchgeführt. Auch gedachten die JRK-Gruppen der Waisenkinder, weshalb im Jahre 1974 eine Weihnachtsfeier im Kinderheim in Heiligenstadt veranstaltet wurde, bei der die Heimkinder mit Kleidung, Büchern und kleineren Gaben beschenkt wurden. Auch für ältere Menschen hatte das Jugendrotkreuz ein Herz, woraufhin kurz nach Fertig-stellung des Altenheims Burgfarrnbach von den Jugendlichen der Dienst in der Pflegestation aufgenommen wurde, der mit großer Freude durchgeführt wurde. Durch den guten Kontakt mit den alten und kranken Menschen sowie den Pflegepersonal war es für beide JRK Gruppen eine Selbstverständlichkeit, 1975 eine Weihnachtsfeier im Altenheim Burgfarrnbach abzuhalten und die alten Leute mit Liedern und kleinen Geschenken zu erfreuen.
Jugendrotkreuz Burgfarrnbach im Altenheim Burgfarrnbach
Auch in der Küche im Altenheim wurde mitgeholfen Auch wurde im Jahre 1975 wieder ein zweiter Platz beim Kreiswettbewerb von der JRK Gruppe Burgfarrnbach belegt. Die zu dieser Zeit bewährte Gruppenleiterin Brigitte Volkamer wurde als erste Vertreterin des Fürther Kreisverbandes in den Bezirks- und Landesausschuß berufen. 1975 erhielt die Kolonne vom Amt für Zivilschutz einen Krankentransportwagen Ford Transit, wodurch die Einsatzmöglichkeiten der Kolonne wesentlich verbessert wurden.
Übergabe des Krankentransportwagens 1975 durch den Leiter des Amtes für Zivilschutz an Kolonnenführer Siegfried Blomeier. Im Jahre 1976 erlitt die Kolonne durch den Tod ihres Arztes Dr. Eugen Baum einen schweren Verlust. Dr. Baum war seit 50 Jahren in der Kolonne Burgfarrnbach aktiv und hatte in dieser Zeit zahlreiche Sanitäter ausgebildet und vielen Bewohnern Burgfarrnbachs und der Umgebung die Grundbegriffe der Ersten Hilfe beigebracht. Nach dem Tod von Dr. Baum hat Dr. Siegfried Ditterich das Amt des Kolonnenarztes übernommen. Nachfolger von Marion Lorenz für die JRK-Gruppe 2 wurde Thomas Wollenzin. Von seiner Schwester Brigitte übernahm Roland Volkamer im Jahre 1977 die Leitung der JRK-Gruppe 1. In dieser Zeit wurde die Idee geboren, in Burgfarrnbach einen Geschicklichkeitslauf für alle Jugendrotkreuzgruppen durchzuführen, welcher seit dieser Zeit in Jahresprogramm des Kreisverbandes Fürth einen festen Platz einnahm.
Geschicklichkeitslauf des Jugendrotkreuz Burgfarrnbachs Einen ersten Platz erreichte das JRK Burgfarrnbach bei der Sternwanderung in Stein 1977. Unter der Leitung von Roland Volkamer und Thomas Wollenzin sowie der Betreuung von Herrn Dr. S. Ditterich zählt das Jugendrotkreuz Burgfarrnbach im Jahre 1977 48 aktive Mitglieder ab dem 10. Lebensjahr. Wie bereits seit dem Gründungsjahr 1903 wurde auch weiterhin jeden Montag um 20 Uhr der theoretische und praktische Unterricht durchgeführt. Mit Kolonnenführer Siegfried Blomeier, seit 1964 im Amt und seit 1973 als Rettungssanitäter ausgebildet, dem stellvertretendem Kolonnenführer Dieter Beuchel, sowie Ernst Raml und Reinhold Dietz stehen der Kolonne qualifizierte Ausbilder zur Verfügung. Die Sanitätskolonne Burgfarrnbach besteht zur Zeit aus 44 aktiven Mitgliedern, die vorwiegend im Krankentransport an den Wochenenden, im Sportplatzdienst und bei Großveranstaltungen in Burgfarrnbach und Umgebung (z. B. Kirchweih, Flugtag in Seckendorf u. a.) eingesetzt werden. 1977 waren die Kolonnenmitglieder insgesamt 3370 Stunden im Einsatz.
Sanitätskolonne Burgfarrnbach im Jubiläumsjahr 1978 Die Arbeit der Rot Kreuz Bereitschaft und des Jugendrotkreuzes Burgfarrnbach ist nur möglich durch die tatkräftige Unterstützung der Bevölkerung, die in den 100 Jahren unseres Bestehens immer wieder durch Spenden und wertvolle Hilfe die Verbundenheit mit "ihren" Rot Kreuz´lern gezeigt hat. Als Dank dafür wollen wir uns weiterhin bemühen, unsere freiwillig übernommenen Aufgaben als Mitglieder der Rot Kreuz Bereitschaft und des Jugendrotkreuzes Burgfarrnbach zum Wohle des Einzelnen und der Gesamtheit zu erfüllen.
Die Chronik ist derzeit noch in Bearbeitung und wird vervollständigt. |